Designierte SPD-Sozialministerin Cornelia Rundt sprach von einem Pflegedrama

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Cornelia Rundt zu Besuch beim DRK in Otterndorf

 

Große Herausforderung: Sicherstellung der ambulanten Pflege auf dem Land

„Was soll ich nach Hannover mitnehmen?“ Cornelia Rundt, designierte Sozialministerin im SPD-Team von Stephan Weil ließ am Ende ihres Informationsbesuches in der DRK-Geschäftsstelle Otterndorf deutlich erkennen, dass ein fruchtbarer Gedankenaustausch hinter ihr lag.

Gemeinsam mit dem hiesigen Landtagskandidaten Detlef Horeis und den geladenen Gästen Wilfried Dieckmann (Vorsitzender des Seniorenbeirats der Samtgemeinde Land Hadeln), ferner dem stellvertretenden Otterndorfer Bürgermeister Henry-Adolf Woltmann, nutzte sie das gut zweistündige Gespräch mit Hartmut Ahlf (Geschäftsführer des DRK Kreisverbands Land Hadeln) und Volker Kästner (Leiter der Seniorenheime in Cadenberge, Cuxhaven und Otterndorf), um sich der komplexen Thematik des Pflegenotstands zu widmen. Die eingangs gestellte Frage beantwortete Ahlf pragmatisch: „Uns unsere Ideen lassen und die Bürokratie nicht weitertreiben.“

Als Drama bezeichnete Cornelia Rundt, dass zu wenig Geld im Pflegesystem sei, u.a. mit der Folge von niedrigen Entgelten.  Das führe zur Abwanderung von Fachkräften in andere, weit besser bezahlte Berufe. Die „Entgeltsätze liegen unter 20 Prozent gegenüber anderen Bereichen; bei den Mitarbeitern kommt einfach weniger an.“  Das Ende der Schraube sei erreicht, das System stimme schon lange nicht mehr, „es fährt gegen die Wand.“ Signifikant für Niedersachsen  sei zudem ein schlechter Personalschlüssel.

Pflege habe in den letzten Jahren deutlich an Komplexität zugenommen, so der DRK-Geschäftsführer. Ständig komme vom Gesetzgeber etwas hinzu, was die Sache noch anstrengender gestalte. Zudem gebe es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. „Unsere Senioren sind nicht so sehr daran interessiert, ins Pflegeheim zu kommen, sie möchten ihre Selbstständigkeit behalten und möglichst lange im eigenen Haus leben“, unterstrich Wilfried Dieckmann, Vorsitzender des Seniorenbeirates der Samtgemeinde Land Hadeln. Vor diesem Hintergrund sah Otterndorfs stellvertretender Bürgermeister Henry Adolf Woltmann jedoch auch die große Gefahr der Vereinsamung. Die designierte SPD-Sozialministerin – Rundt ist zurzeit hauptamtlich im Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes tätig – knüpfte hier an.  „Wir werden große  Probleme in der ambulanten Pflege bekommen“, so ihre Prognose.  Denn wo die Wege weit seien, gestalte sie sich teuer. Gleichwohl müsse man den Wünschen und Bedürfnissen betagter Menschen Rechnung tragen und die ambulante Versorgung auch im ländlichen Raum sicherstellen. Rundt  sprach in diesem Zusammenhang von einem Systemfehler: „Bei den durch die Pflegeversicherung getragenen Kosten müssen wir für den ländlichen Raum eine Art Flächenfaktor einbauen.“ Denn alle, „die an dieser Stelle mitentscheiden, brauchen klare Ansagen.“

Vor dem Hintergrund wegbrechender Strukturen in den Dörfern (Bevölkerungsschwund, Leerstände, Versorgungsschwierigkeiten in der Fläche) sah Ahlf in der Organisation der ambulanten Pflege die „Herausforderung für die Zukunft.“ Diese Diskussion sei noch nicht geführt. Trotz demografischen Wandels, so die klare Botschaft von Cornelia Rundt, „müssen wir dafür sorgen, dass Wohnen und Leben auf dem Land möglich bleibt.“ Niedersachsen aber habe noch keine Konzepte; „es liegt lediglich eine Ist-Analyse vor.“ So müssten hier technische Möglichkeiten bis hin zur Telemedizin viel stärker genutzt werden, um auf dem Land wieder eine ganz andere Lebensqualität zu schaffen.

Zurzeit  sei Pflege in Niedersachsen voller bürokratischer Hemmnisse, „die wir aufbrechen müssen – mit privaten Gemeinschaften, modernen Wohnformen, wir müssen Technik in die Haushalte bringen, damit alte Menschen sicher sind“, so Rundt.  Das jetzige System gestalte sich viel zu kompliziert, „kein Mensch kann mehr durchblicken, was ihm an Geldern zusteht.“ Hinzu komme eine zerstückelte Beratungsstruktur. Diese sei in Gesetzen angedacht, funktioniere aber nicht. Wünschenswert, so Cornelia Rundt,  „ist die Bündelung in einer Beratungsstelle.“
 

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Cornelia Rundt, v.r. Detlef Horeis, Hartmut Ahlf, Volker Kästner, Wilfried Dieckmann und Henry Adolf Woltmann

 
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