„System ist ziemlich stark vor die Wand gefahren“

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Frauke Heiligenstadt:
Schulpolitik auf dem Prüfstand

 

Designierte SPD-Kultusministerin: „System ist ziemlich stark vor die Wand gefahren“
Frauke Heiligenstadt wehrte sich gegen die CDU-Behauptung, das Gymnasium abzuschaffen

Kreis Cuxhaven. Kaum ein anderes Thema bewegt die Bürgerinnen und Bürger in Niedersachsen so ausgeprägt wie die Bildungspolitik. Daher lag es nahe, dass sich der SPD-Landtagskandidat des Wahlkreises 57 Hadeln-Wesermünde, Detlef Horeis, um Informationen aus berufenem Munde bemühte.

Anlässlich einer Podiumsveranstaltung in Lunestedt ging die designierte Kultusministerin im SPD-Team Weil, Frauke Heiligenstadt, auf die Bildungspolitik ihrer Partei ein, deren Konzeption sich als Wegweiser für Chancengleichheit erweist.

Neben dem Gast aus dem Landtag konnte Horeis im Beisein des Beverstedter Ortsvereinsvorsitzenden Wilfried Geils den Vorsitzenden des Kreiselternrates Cuxhaven, Wolfgang Pabel, und den schulpolitischen Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion, Martin Bensen, als Podiumspartner begrüßen. ‚Ein Kultusetat, der um eine halbe Milliarde gestiegen ist, zudem so viele Lehrkräfte an den Schulen wie noch nie‘: „Das sind Behauptungen des politischen Mitbewerbers“, so Frauke Heiligenstadt, die das widerlegte. 

So sei eine halbe Milliarde für die frühkindliche Erziehung  aus dem Sozialetat in den Kultusetat gewandert. Bei einem Großteil der Lehrkräfte handele es sich um Teilzeitkräfte. Man müsse aber nach Vollzeitlehrereinheiten zählen. Generell sei es gut, dass es mehr Lehrer gebe, „aber wir haben auch 1.500 zusätzliche Ganztagsschulen“, führte die designierte Kultusministerin aus. Ein Großteil dieser Schulen aber sei nicht gut ausgestattet; darüber würden immer wieder Klagen an sie herangetragen. Bildungsstudien belegten, dass Niedersachsen sich im Länderranking im unteren Drittel befinde.

Auch beim Krippenbau „sind wir im unteren Drittel.“ Im Bereich der frühkindlichen Erziehung (0 – 6 Jahre) reiche eine 35-prozentige Abdeckung mit  Krippenplätzen, von denen jetzt noch 10.000 fehlten, zumeist nicht aus. Zudem müsse nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der frühkindlichen Erziehung verbessert werden. „Wir brauchen mindestens drei Kräfte in einer Gruppe von 15 Kindern.“

Auf die gegenwärtige Schulstruktur in Niedersachsen eingehend, führte Heiligenstadt aus: „Der SPD wird vorgeworfen, das Gymnasium abschaffen zu wollen. Mitnichten. Wir werden keine Schulform abschaffen, sondern wollen, dass alle gleich behandelt werden.“ Einzig der Elternwille zähle hier. Allerdings hätte man auf die zusätzliche Schulform Oberschule mit ihren beiden Varianten verzichten können, so ihr Standpunkt. "Aber jetzt ist sie da und soll bleiben, wenn es gewünscht wird.“ Zur Inklusion – der gemeinsamen Schule für Kinder mit und ohne Behinderung – führte sie aus, dass die Lehrkräfte nicht genügend ausgebildet seien. Im Bereich der beruflichen Bildung werde sich ein SPD-geführtes Kultusministerium  um jeden Jugendlichen bemühen, dessen Ausbildungsplatzsuche erfolglos verlaufe. „Diese müssen eine Ausbildung bekommen.“

Kreiselternratsvorsitzender Wolfgang Pabel wurde deutlich: „Eltern sagen, dass es in den letzten 10 Jahren mit der Bildung bergab ging; sie sind Schulstrukturdebatten leid, eine qualitativ gute Bildung steht für sie im Vordergrund.“ Das gegenwärtige System schaffe für die Kinder einen oft unerträglichen Leistungsdruck. Die Mitte – der gute Realschüler – breche weg. „Das ist verheerend für das Bildungssystem und die Gesellschaft.“ Abitur nach 8 Jahren Gymnasium, so Pabel, setze voraus, dass wir in den Lehrplan gehen. Frauke Heiligenstadt versicherte, dass die Bildungspolitik ihrer Partei die Wahlmöglichkeit zwischen 8 und 9 Jahren bis zum Abitur vorsehe.

Martin Bensen, schulpolitischer Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion, brachte seine Sorge um die Hauptschule zum Ausdruck. Diese entwickle sich immer mehr zu einem Reparaturbetrieb für gescheiterte Kinder an Gymnasien und Realschulen.  Zudem sei es ein Riesenfehler gewesen, die Orientierungsstufe abzuschaffen. Bensen: „Unser Schulsystem ist, was die Seele der Kinder angeht, eine Katastrophe.“ In einer Gesamtschule könne man ein Kind am besten fördern“, die Erkenntnis der designierten Kultusministerin. „Es lernt von starken Schülern, und diese lernen soziale Kompetenzen.“ Gesamtschulen seien ein Erfolgsmodell, sie hätten keine Sitzenbleiber. „Wir wollen eine Schule für alle. Dafür bekommen wir  zurzeit aber keine Gestaltungsmehrheit; das System ist ziemlich stark vor  die Wand gefahren.“

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Schulpolitik auf dem Prüfstand, v. l. Martin Bensen (schulpolitischer Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion), Frauke Heiligenstadt (designierte Kultusministerin im SPD-Team Weil), Detlef Horeis (SPD-Landtagskandidat), Wolfgang Pabel (Vorsitzender des Kreiselternrates)

 
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